Am 4. Mai 1945 erreichten Einheiten der 71. US-Infanteriedivision das Lager Gunskirchen. Was sie vorfanden, überstieg jede Vorstellungskraft. Die Soldaten dokumentierten die Zustände mit Fotografien und Berichten¹, die bis heute als zentrale historische Quellen dienen. Der Überlebende Jicchak Miglitzer berichtet:
Die Leichen, deren Zahl sich täglich auf fünfzig bis sechzig beliefen – es waren aber Tage mit der doppelten Zahl – wurden in einer Riesengrube […] bestattet.²
Die 71. US-Infanteriedivision rückte Anfang Mai 1945 durch Oberösterreich vor. Am 4. Mai stießen Soldaten der Division auf das Lager im Wald bei Gunskirchen. Der Anblick war erschütternd: Tausende kranke und sterbende Menschen, Leichen zwischen den Lebenden, ein Gestank, der Kilometer weit zu riechen war.
Die US-Soldaten begannen sofort mit der Dokumentation. Fotografen des Army Signal Corps hielten die Zustände fest, Offiziere verfassten detaillierte Berichte.³ Diese Dokumente wurden später in den Nürnberger Prozessen als Beweismittel verwendet.
Die Befreiung war erst der Anfang. Viele der Überlebenden waren so geschwächt, dass sie trotz medizinischer Versorgung in den folgenden Tagen und Wochen starben. Die US-Armee richtete Feldlazarette ein und organisierte Lebensmittelversorgung.
Quellen
- Alexander Lowy: Erinnerungen an Gunskirchen. Wien, 1946.
- Bacs, Paul: Bericht über die Befreiung des Lagers Gunskirchen. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes.
- Brugger, Yvonne: Gunskirchen. Ein Außenlager des KZ Mauthausen. Wien, 2022.