Daniel Chanoch
Quelle: Interview Daniel Chanoch
Kapitel 3
Im Waldlager bei Gunskirchen herrschten im April 1945 unmenschliche Zustände. Das Lager war zudem nicht fertiggestellt: Viele Baracken hatten keine Dächer, sanitäre Anlagen fehlten weitgehend, für etwa 20.000 KZ-Häftlinge standen lediglich zwei Latrinen zur Verfügung.
Das Lager war kein Arbeits- oder Vernichtungslager im klassischen Sinn, sondern ein Ort des Sterbens. Im KZ-Außenlager Gunskirchen gab es „keine Gaskammern, keine Krematorien. Aber es besteht kein Zweifel, dass wir zum Sterben geschickt worden sind“, so die Überlebende Edith Eger. Für den KZ-Überlebenden Michael Kraus war “es das Lager der Toten, vergessen zwischen den Bäumen eines dichten Waldes, ohne Luft und ohne Sonne. Rings um die Baracken nichts als riesige Pfützen.”
Die Überbelegung war extrem. In Räume, die für wenige hundert Personen gebaut waren, wurden bis zu mehrere tausend Menschen gepfercht. Viele konnten sich kaum noch bewegen. Einen geregelten Alltag gab es kaum. Hunger, Durst und Krankheiten bestimmten das Leben im Lager. Läuse und Typhus breiteten sich rasch aus, medizinische Versorgung existierte nicht. Gewalt und Willkür der SS-Aufseher waren alltäglich. Die wenigen Essensrationen bestanden aus Wasser und kleinsten Brotmengen, oft blieben sie ganz aus. Dem KZ-Überlebenden Jehuda Bacon blieb ein Sadist ins Gedächtnis gebrannt: „Er nahm die Laibe Brot, die für uns vorgesehen waren, wickelte sie in eine Decke und trampelte darauf herum.“ Der KZ-Überlebende Dugo Leitner erzählte, dass “sie auch die Rinde an den Stämmen aßen.” Und Shaul Spielmann, der Gunskirchen überlebte, dass “sie das Wasser von den Dächern sammelten”, von dem er schweren Typhus bekam. Der Überlebende Willie Sterner berichtete: “Wir erhielten keine medizinische Versorgung. Die Läuse waren unerträglich.” Überlebende berichteten teilweise gar von Kannibalismus unter den KZ-Häftlingen.
Kranke und Sterbende blieben oft dort liegen, wo sie zusammengebrochen waren, viele Tote wurden einfach am Waldboden liegen gelassen oder mussten sie von anderen Häftlingen in Massengräbern verscharrt werden. “Die einzige Arbeit im Lager war im Grabkommando”, so der KZ-Überlebende Joseph Fischer: “Die einen mussten die Toten einsammeln und die anderen sie begraben.” Oft blieb den Häftlingen aber nichts anderes übrig, als auf den Toten, die in den Baracken lagen, zu schlafen oder zwischen ihnen zu sitzen, da ihnen die Kraft fehlte, sie nach draußen zu bringen. Das Begraben der Leichen war eine Zwangsarbeit, die im KZ-Außenlager Gunskirchen vom sogenannten Grabkommando durchgeführt wurde. Der KZ-Überlebende István Erdős erinnerte sich: „Die Leichen wurden neben der Latrine zu Haufen aufgeschichtet. Später haben wir Gruben mit 40 Plätzen ausgehoben und sie darin begraben, natürlich ohne darüber Buch zu führen.“ Die Überlebenden József Braun und István Klein mussten im Grabkommando ebenso Gruben für 40 schaufeln: “Gab es nicht 40 Tote für jede Grube, wurde die fehlende Zahl hinzugefügt."
Kurz vor der Befreiung brach die Versorgung vollständig zusammen, die letzten SS-Einheiten verließen am 3. Mai das Lager.
Als die amerikanischen Soldaten am 4. Mai 1945 eintrafen, fanden sie ein Waldstück voller Leichen, Schlamm und völlig entkräfteter Überlebender vor. Der KZ-Überlebende Rabbi Sinai Adler bezeichnete Gunskirchen als einen großen Friedhof: “Die Menschen kämpften noch mit letzter Kraft gegen die Uhr, die letzten Stunden, um der grausamsten und mörderischsten Tyrannei, die je auf Erden herrschte, zu entkommen.” Daniel Chanoch, der sechs Konzentrationslager überlebt hatte, und in Gunskirchen befreit wurde war überzeugt: „Es war das schrecklichste und verheerendste Konzentrationslager. Es war die Hölle.“
Das KZ-Außenlager Gunskirchen bestand aus zwei Bereichen: dem Lager in der ehemaligen Volksschule im Ortszentrum von Gunskirchen und dem Lager im als „Hochholz“ bezeichneten Waldstück. Die Häftlinge im Waldlager waren Männer, Frauen und Kinder unterschiedlichen Alters. Zwar sind vom KZ-Außenlager im Wald keine Häftlingslisten vorhanden, doch Fotografien der US-Armee, die bei der Befreiung des Lagers aufgenommen wurden, zeigen neben Männern auch Frauen und Kleinkinder.
Die Häftlinge im Waldlager des KZ-Außenlagers Gunskirchen waren fast ausschließlich Jüdinnen und Juden aus vielen verschiedenen Ländern. Den größten Anteil stellten ungarische Jüdinnen und Juden, die zuvor als Zwangsarbeiter*innen beim Bau des Südostwalls eingesetzt worden waren und anschließend in Todesmärschen durch Österreich nach Mauthausen deportiert wurden.1 Die amerikanischen Befreier beschrieben diese Häftlinge als eine vielfältige Gruppe, die überwiegend aus Budapest stammte:
„ Die Insassen von Gunskirchen waren eine ausgewählte Gruppe von Häftlingen – die intellektuelle Schicht der ungarischen Juden, größtenteils hoch gebildete Menschen, darunter viele angesehene Ärzte, Rechtsanwälte und Vertreter aller Fachbereiche..“2
Der Überlebende Jicchak Miglitzer berichtete, dass nicht nur Ungarisch, sondern auch Slowakisch, Polnisch, Serbisch, Tschechisch und Deutsch von den Häftlingen im Lager gesprochen wurde. Neben der großen Gruppe der Jüdinnen und Juden waren auch politische Häftlinge aus Deutschland, Österreich, der ehemaligen Tschechoslowakei und aus dem ehemaligen Jugoslawien im Lager.3 Diese unterschiedlichen Nationalitäten spiegeln sich auch in den am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers gefundenen Objekten wider. So wurde etwa im Rahmen einer archäologischen Untersuchung eine Häftlingsmarke mit den Buchstaben „R.E.“ entdeckt, die auf die italienische Luftwaffe hinweisen.4
Die aus dem Zeltlager des KZ Mauthausen ins KZ-Außenlager Gunskirchen getriebenen KZ-Häftlinge fanden im „Hochholz“ ein noch nicht fertiggestelltes Lager vor. Die meisten Baracken befanden sich noch in Bau und hatten größtenteils noch kein Dach, wie der Überlebende Dugo Leitner berichtete. Sanitäre Anlagen waren keine vorhanden. In den für ursprünglich 800 Personen konzipierten Baracken wurden zunächst etwa 1.500, später bis zu 3.000 Menschen untergebracht. Die KZ-Häftlinge waren dort zum Teil so dicht gedrängt, dass es ihnen kaum möglich war, sich umzudrehen. Jene, die zu schwach waren, um sich zu bewegen, verrichteten ihre Notdurft dort, wo sie gerade lagen.5
Der Überlebende Michael Kraus berichtete: „Wer schlimmer krank wurde, wurde in den Regen hinausgeworfen, wo er – zu keiner Bewegung mehr fähig – in wenigen Tagen starb oder aber in einer Wasserlache ertrank.“6
Der unerträgliche Gestank im gesamten Waldstück, sowohl in den Baracken als auch am Appellplatz im Freien, wurde von vielen Überlebenden ebenso wie von den amerikanischen Soldaten als besonders eindringlich beschrieben. Über die Zustände in den Baracken berichtete der amerikanische Soldat Captain J.D. Fletcher:
„A pair of feet, black in death, protruded from underneath a tattered blanket just six inches from a haggard old Jew who was resting on his elbow and feebly attempting to wave to us. A little girl, doubled with the gnawing pains of starvation, cried pitifully for help. A dead man rotted beside her.“7
Die hygienischen Zustände im völlig überfüllten Lager waren katastrophal. Die KZ-Häftlinge litten unter Läusen, die sich in den überfüllten Baracken rasant verbreiteten.8 Krankheiten wie Flecktyphus und Durchfall, Misshandlungen durch die SS sowie verdorbene Lebensmittel führten zum Tod von täglich 200 bis 300 Häftlingen.9 Diese Angabe deckt sich mit der Mehrzahl der Aussagen von Überlebenden, die in den ersten Monaten nach dem Ende des Nazi-Regimes dokumentiert wurden. Der Überlebende Jicchak Miglitzer berichtete: „Die Leichen, deren Zahl sich täglich auf fünfzig bis sechzig belief – es waren aber Tage mit der doppelten Zahl – wurden in einer Riesengrube […] bestattet.“10 Wenn man ca. 20 Tage von 16. April bis zur Befreiung am 4./.5. Mai 1945 annimmt und die Schätzung von Kranebitter mit 3.382 Toten zugrunde legt11, starben täglich 169 Häftlinge. Die höchste Schätzung an Todesopfern liegt bei 5.00012, also im Schnitt 250 Tote pro Tag – eine Schätzung, die auch durch Untersuchungen nach dem Ende der NS-Herrschaft bestätigt wird, vermutlich aber auch jene Todesopfer enthält, die nach der Befreiung im Spital verstarben.1314
Die Toten wurden teilweise in Massengräbern verscharrt, häufig aber auch einfach am Waldboden liegen gelassen. Oft blieb den Häftlingen nichts anderes übrig, als auf den Toten, die in den Baracken lagen, zu schlafen oder zwischen ihnen zu sitzen, da ihnen die Kraft fehlte, sie nach draußen zu bringen.15
Um ihre Notdurft zu verrichten, standen den Häftlingen nur zwei Latrinen zur Verfügung. Um diese zu benutzen, mussten sie sich stundenlang in geordneten Reihen anstellen. Wer die lange Wartezeit nicht durchhielt und am Boden zusammenbrach oder seine Notdurft dort verrichtete, wo er gerade stand, wurde von den SS-Wachen erschossen.
Der anhaltende Regen in den letzten April- und ersten Maitagen 1945 weichte den Boden derart auf, dass ein einziges großes Schlammfeld entstand. Wie der Überlebende Shaul Spielmann berichtete, konnte man kaum darauf gehen. Auch Michael Kraus beschrieb den Appellplatz des Lagers als „Pfützenlandschaft“.16 Die meisten versuchten, so der Überlebende Shaul Spielmann, auf den am Boden liegenden Leichen zu gehen, um nicht im Schlamm zu versinken.
Edith Eger berichtete gar von Fällen von Kannibalismus unter den Häftlingen: „Hier in der Hölle schaue ich einem Mann zu, der Menschenfleisch isst. Könnte ich das tun? Könnte ich, um zu überleben, den Mund um die Haut schließen, die noch an den Knochen eines Toten hängt, und sie essen? Ich habe mit unverzeihlicher Grausamkeit geschändetes Fleisch gesehen. […] Aber wenn ich einem fast verhungerten Mann zusehe, wie er das Fleisch eines Toten isst, würgt es mich, und mir wird schwarz vor Augen.“17
Auch der Überlebende Bernard Freilich berichtete: „Ich habe noch nie zuvor Kannibalismus gesehen. Aber dort sah ich, wie ein SS-Mann versuchte, einen der ungarischen Häftlinge zu erschießen – einen ungarischen Juden, der so ausgehungert war, dass er zu einer Leiche hinüberlief, die dort lag. Messer durften wir nicht besitzen, aber jeder hatte einen Löffel. Und normalerweise schärften wir die Kante des Löffels an einem Stein, um ein Stück Brot oder Ähnliches abschneiden zu können. Damit versuchte er also, ein Stück Fleisch von einer Leiche abzuschneiden, die verhungert war.“18
Das KZ-Außenlager Gunskirchen war im Gegensatz zu den meisten anderen Lagern weder ein Arbeits- noch ein Vernichtungslager. Die KZ-Überlebende Edith Eger berichtete: „Hier gibt es keine Gaskammern, keine Krematorien. Aber es besteht kein Zweifel, dass wir zum Sterben hierhergeschickt worden sind.“19
Einen geregelten Tagesablauf gab es kaum. Bis auf das Begraben der unzähligen Toten war von den Häftlingen keine Zwangsarbeit zu leisten. Anders als im Lager in der Schule, wo die Häftlinge zu Holzarbeiten herangezogen wurden, waren die Menschen im Waldlager mehr oder weniger sich selbst überlassen. Dokumente zum Tagesablauf sind nicht erhalten; dieser lässt sich lediglich anhand der Aussagen von Überlebenden rekonstruieren.
Der Überlebende Pal Bacs schilderte den Tagesablauf im Waldlager folgendermaßen: Um 6 Uhr wurden die Häftlinge geweckt. Um 6.30 Uhr hatten alle Häftlinge – unabhängig von ihrem physischen Zustand – zum Morgenappell anzutreten, wo sie gezählt wurden. Pal Bacs betont dabei die Rolle des vermutlich als Kapo fungierenden „Burkus“, der die SS bei der Aufstellung und der Bestrafung der Häftlinge unterstützte. Anschließend erhielten die Häftlinge bitteren schwarzen Kaffee. Bis 16 Uhr hatten sie dann nichts zu tun. Sie lagen in den Baracken, wankten durch das Lager oder stellten sich in den endlosen Schlangen zu den Latrinen an.20
Mittags erhielten die Häftlinge kleine Stücke Brot oder Brotbrösel. Dabei wurde barackenweise vorgegangen – eine drei- bis vierstündige Prozedur. Wöchentlich erhielten die Häftlinge 1,4 kg Brot und 10–20 g Margarine. Essen war unter den Häftlingen hart umkämpft und wurde häufig gestohlen. Nachmittags erhielten sie etwa 400 ml Rübensuppe, die jedoch hauptsächlich aus Wasser bestand.21 Einmal pro Woche bekamen die Häftlinge eine Blutwurstkonserve, die sich je 20 Personen teilen mussten.22 Auch Wasser war kaum verfügbar – wenn, dann musste man dafür stundenlang anstehen. Oft tranken die Häftlinge Regenwasser, das von den Dächern der Baracken rann. Shaul Spielmann berichtete, dass er sich durch das Trinken dieses Wassers mit besonders schwerem Flecktyphus infizierte. Nach dem Abendappell legten sich die Häftlinge schließlich schlafen.
Das Einsammeln und Begraben der Toten war für die Häftlinge aufgrund ihrer extremen Schwächung kaum zu bewältigen; häufig waren vier Personen nötig, um eine Leiche zu tragen.23 István Erdős, ein ehemaliger Häftling des Lagers berichtete: „Die Leichen wurden neben der Latrine zu Haufen aufgeschichtet. Später haben wir Gruben mit 40 Plätzen ausgehoben und sie darin begraben, natürlich ohne darüber Buch zu führen.“
Der Überlebende Tabor Wiener erzählte, dass die Toten im Süden des Lagers gesammelt und im Anschluss im östlichen Teil begraben wurden.24
Der Überlebende Alexander Lowy erinnerte sich an die Misshandlungen durch die SS-Wachen: „Die Wachen zwangen uns, 160-Liter-Benzinkanister, die in der Mitte durchgeschnitten und mit Griffen versehen waren, als Urinale an jeder Baracke aufzustellen. Bis zum Morgen waren sie voll. Bei Tagesanbruch öffneten sie die Türen, ein paar Offiziere kamen herein und ließen uns antreten. Sie wählten zwei oder drei Jungen nach dem Zufallsprinzip aus und tauchten sie kopfüber in den Urin. Wir mussten zusehen. Sie taten es mit einem nach dem anderen. Sie ließen erst los, wenn sich die Beine des Jungen nicht mehr bewegten – was ewig dauerte. Während wir zusahen, wie ein Junge kämpfte, konnte der nächste in der Reihe sehen, was ihn erwartete. Er war ziemlich klein und ich sah, wie er sich aus der Reihe schlich, bevor er ausgewählt wurde. Die Nazis fanden es amüsant, Jungen in Urin zu ertränken. Sie lachten wie verrückt, während sie es taten. Sie öffneten die Türen, ertränkten die Jungen ihrer Wahl und ließen uns, die übrig blieben, die Pissoirs draußen entleeren.“25
Auch Edith Eger, die während der Gefangenschaft in Gunskirchen 16 Jahre alt war, schilderte die Gewaltexzesse der SS: Sie schrieb von einem „an einen Baum gebundenen Jungen, dem die SS-Leute in den Fuß, in die Hand, in die Arme schossen, ihm ein Ohr abschossen. Ein unschuldiges Kind als Übungsschießscheibe. Oder die schwangere Frau, die es irgendwie nach Auschwitz geschafft hatte, ohne sofort ermordet zu werden. Als die Wehen einsetzten, band die SS ihr die Beine zusammen. Ihre Qualen waren das Schlimmste, was ich je gesehen habe.“26
Mehrere Überlebende berichteten von einer Hilfslieferung des Roten Kreuzes, die vermutlich in den letzten Tagen vor der Befreiung das Lager erreichte.27 Michael Kraus schrieb in seinen Erinnerungen, dass Päckchen mit Essen an unter 15-Jährige verteilt werden sollten.28 Therese Müller berichtete von einem Autobus des Roten Kreuzes, der ins Lager kam und mit Lebensmitteln beladen war: „Man baut einen Tisch auf, und wir stellen uns in die Schlange, um etwas zu essen zu bekommen. Ich erhalte eine ganze Kilo-Packung Zucker! Der muss ganz langsam aufgegessen werden. Ich werde versuchen zu sparen, damit er lange hält. […] Für viele von uns war es schon zu spät, um etwas zu essen zu erhalten. Ihnen kann man sowieso nicht mehr helfen. Der Rot-Kreuz-Bus verlässt das Lager. Wir sind wieder eingesperrt.“29
Auch Edith Eger erzählte vom Besuch des Roten Kreuzes: „Dem Roten Kreuz wurde als neutraler Organisation gestattet, den Häftlingen Hilfe zukommen zu lassen, und Magda war in eine Schlange geschlüpft und bekam eine Dose Sardinen. Aber es gibt keine Möglichkeit, sie zu öffnen. Es ist einfach nur eine neue Form von Grausamkeit. Selbst eine gute Absicht, eine gute Tat, verkommt zu Sinnlosigkeit.“30
In den letzten Tagen vor der Befreiung brach die Versorgung vollständig zusammen. Nach Aussagen von Überlebenden erhielten die Häftlinge zuletzt fünf Tage lang weder Wasser noch Nahrung.31
Am 3. Mai verließen schließlich auch die SS-Wachen das Lager, die Gefangenen waren vollkommen sich selbst überlassen.32 Dugo Leitner berichtete, dass sie die Rinde der Bäume aßen, Edith Eger erzählte, sie habe die wenigen Grashalme, die im Waldstück noch zu finden waren, gegessen.33
Als die amerikanischen Soldaten am 4. Mai 1945 eintrafen, fanden sie ein Waldstück voller Leichen, Schlamm und völlig entkräfteter Überlebender vor. Der KZ-Überlebende Rabbi Sinai Adler bezeichnete Gunskirchen als einen großen Friedhof: “Die Menschen kämpften noch mit letzter Kraft gegen die Uhr, die letzten Stunden, um der grausamsten und mörderischsten Tyrannei, die je auf Erden herrschte, zu entkommen.”34 Daniel Chanoch, der sechs Konzentrationslager überlebt hatte, und in Gunskirchen befreit wurde war überzeugt: „Es war das schrecklichste und verheerendste Konzentrationslager. Es war die Hölle.“
Quellen
Quelle: Interview Daniel Chanoch
Quelle: Interview George Heller
Quelle: Interview Helen Balsam
Quelle: Interview Jehuda Gurwich
Quelle: Interview Michael Kraus
Quelle: Interview Nicholas Halmay
Quelle: Interview Shaul Spielmann
Quelle: Interview Irving Balsam
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