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Gedenkort Gunskirchen Kapitel 3

Die Hölle im Wald

Kapitel 3

Die Hölle im Wald

Audio Audioguide – Die Hölle im Wald
4:18

Überblick

Im Waldlager bei Gunskirchen herrschten im April 1945 unmenschliche Zustände. Das Lager war zudem nicht fertiggestellt: Viele Baracken hatten keine Dächer, sanitäre Anlagen fehlten weitgehend, für etwa 20.000 KZ-Häftlinge standen lediglich zwei Latrinen zur Verfügung.

Das Lager war kein Arbeits- oder Vernichtungslager im klassischen Sinn, sondern ein Ort des Sterbens. Im KZ-Außenlager Gunskirchen gab es „keine Gaskammern, keine Krematorien. Aber es besteht kein Zweifel, dass wir zum Sterben geschickt worden sind“, so die Überlebende Edith Eger. Für den KZ-Überlebenden Michael Kraus war “es das Lager der Toten, vergessen zwischen den Bäumen eines dichten Waldes, ohne Luft und ohne Sonne. Rings um die Baracken nichts als riesige Pfützen.”

Die Überbelegung war extrem. In Räume, die für wenige hundert Personen gebaut waren, wurden bis zu mehrere tausend Menschen gepfercht. Viele konnten sich kaum noch bewegen. Einen geregelten Alltag gab es kaum. Hunger, Durst und Krankheiten bestimmten das Leben im Lager. Läuse und Typhus breiteten sich rasch aus, medizinische Versorgung existierte nicht. Gewalt und Willkür der SS-Aufseher waren alltäglich. Die wenigen Essensrationen bestanden aus Wasser und kleinsten Brotmengen, oft blieben sie ganz aus. Dem KZ-Überlebenden Jehuda Bacon blieb ein Sadist ins Gedächtnis gebrannt: „Er nahm die Laibe Brot, die für uns vorgesehen waren, wickelte sie in eine Decke und trampelte darauf herum.“ Der KZ-Überlebende Dugo Leitner erzählte, dass “sie auch die Rinde an den Stämmen aßen.” Und Shaul Spielmann, der Gunskirchen überlebte, dass “sie das Wasser von den Dächern sammelten”, von dem er schweren Typhus bekam. Der Überlebende Willie Sterner berichtete: “Wir erhielten keine medizinische Versorgung. Die Läuse waren unerträglich.” Überlebende berichteten teilweise gar von Kannibalismus unter den KZ-Häftlingen.

Leichen ehemaliger Häftlinge in Wald des KZ-Außenlagers Gunskirchen. Aufgenommen kurz nach der Befreiung. – United States Holocaust Memorial Museum Photo Archives: #77164, Copyright: Public Domain
Leichen ehemaliger Häftlinge in Wald des KZ-Außenlagers Gunskirchen. Aufgenommen kurz nach der Befreiung. – United States Holocaust Memorial Museum Photo Archives: #77164, Copyright: Public Domain

Kranke und Sterbende blieben oft dort liegen, wo sie zusammengebrochen waren, viele Tote wurden einfach am Waldboden liegen gelassen oder mussten sie von anderen Häftlingen in Massengräbern verscharrt werden. “Die einzige Arbeit im Lager war im Grabkommando”, so der KZ-Überlebende Joseph Fischer: “Die einen mussten die Toten einsammeln und die anderen sie begraben.” Oft blieb den Häftlingen aber nichts anderes übrig, als auf den Toten, die in den Baracken lagen, zu schlafen oder zwischen ihnen zu sitzen, da ihnen die Kraft fehlte, sie nach draußen zu bringen. Das Begraben der Leichen war eine Zwangsarbeit, die im KZ-Außenlager Gunskirchen vom sogenannten Grabkommando durchgeführt wurde. Der KZ-Überlebende István Erdős erinnerte sich: „Die Leichen wurden neben der Latrine zu Haufen aufgeschichtet. Später haben wir Gruben mit 40 Plätzen ausgehoben und sie darin begraben, natürlich ohne darüber Buch zu führen.“ Die Überlebenden József Braun und István Klein mussten im Grabkommando ebenso Gruben für 40 schaufeln: “Gab es nicht 40 Tote für jede Grube, wurde die fehlende Zahl hinzugefügt."

Kurz vor der Befreiung brach die Versorgung vollständig zusammen, die letzten SS-Einheiten verließen am 3. Mai das Lager.

Als die amerikanischen Soldaten am 4. Mai 1945 eintrafen, fanden sie ein Waldstück voller Leichen, Schlamm und völlig entkräfteter Überlebender vor. Der KZ-Überlebende Rabbi Sinai Adler bezeichnete Gunskirchen als einen großen Friedhof: “Die Menschen kämpften noch mit letzter Kraft gegen die Uhr, die letzten Stunden, um der grausamsten und mörderischsten Tyrannei, die je auf Erden herrschte, zu entkommen.” Daniel Chanoch, der sechs Konzentrationslager überlebt hatte, und in Gunskirchen befreit wurde war überzeugt: „Es war das schrecklichste und verheerendste Konzentrationslager. Es war die Hölle.“

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Kapitel 1 Der Weg nach Gunskirchen

Kapitel 2 Das Lager

Kapitel 4 Die Befreiung

Kapitel 5 Entwicklungen nach 1945