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Biografien

Die Biografien erzählen von Menschen, deren Leben mit dem KZ-Außenlager Gunskirchen verbunden war – von Opfern und Überlebenden über Täter:innen und Befreier:innen bis zu weiteren Personen, die in der Geschichte dieses Ortes eine Rolle spielten. Zum Teil können Sie auch persönliche Erinnerungen anhören, eingesprochen von bekannten Stimmen. Filtern Sie nach Namen, Themen oder Schlagworten und entdecken Sie die Menschen hinter der Geschichte.

  1. Alexander Lowy
  2. Bacs Pal
  3. Shaul Spielmann

    Shaul Spielmann wurde am 1. Juli 1931 als einziger Sohn von Benjamin und Josefine Spielmann in Wien geboren. Sein Vater diente als Offizier im österreichischen Bundesheer und arbeitete dann als Ingenieur bei der Wiener Elektrizitätsgesellschaft. Seine Mutter erhielt eine musikalische Ausbildung am Konservatorium in Wien.

    Nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland im Jahr 1938 änderte sich das Leben der Familie Spielmann schlagartig. Sie wurden von Nationalsozialisten enteignet, mussten ihre Wohnung im 16. Bezirk ohne ihren Besitz verlassen und lebten dann in Angst und Armut am Fleischmarkt im 1. Bezirk. Am 2. Oktober 1942 spätnachts wurde die Familie schließlich von der Gestapo verhaftet und zwei Tage später nach Theresienstadt deportiert.

    Shaul Spielmann mit seiner Schwester
    Shaul Spielmann mit seiner Schwester

    Mitte November 1943 erfolgte ihre Deportation gemeinsam mit 5.000 weiteren Häftlingen und Familienmitgliedern in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dieser Transport wurde keiner Selektion unterworfen und in das B-Lager aufgenommen – allerdings nur für sechs Monate. Die Familien wurden am Leben erhalten, um im Falle einer Besichtigung durch das Rote Kreuz behaupten zu können, in Auschwitz fände keine Vernichtung statt.

    Beide Eltern wurden schließlich ermordet, und Shaul blieb gemeinsam mit anderen jungen Burschen ein weiteres Jahr in Auschwitz – mit der Nummer 170775 auf seinem linken Arm tätowiert. Er überlebte schreckliche Todesmärsche bei frostigen Temperaturen und kehrte im Februar 1945 als Häftling nach Österreich zurück.

    Als Häftling Nr. 118298 wurde er in den letzten Kriegsmonaten zunächst nach Mauthausen deportiert. Über das KZ Melk führte sein Weg schließlich in das KZ-Außenlager Gunskirchen, wo sich die Bedingungen für die Häftlinge zunehmend verschärften.

    Am 5. Mai 1945 fand seine Leidensgeschichte ein Ende, als US-amerikanische Truppen das Lager befreiten.

    Shaul Spielmann beim Fest der Freude 2016

    Shaul Spielmann beim Fest der Freude 2016
    © Sebastian Philipp

    Shaul erholte sich nach dem Krieg hauptsächlich in Israel. Er baute sich dort ein neues Leben auf, gründete eine neue, glückliche Familie und wohnt bis heute in Israel.

    Im Zuge seiner jüngsten Besuche der Befreiungsfeiern in Mauthausen und Gunskirchen sowie dem Fest der Freude in WIen sprach Shaul Spielmann als Überlebender und Zeitzeuge mit jungen Menschen und teilte seine Erlebnisse während des Nazi-Terrors mit ihnen.

    Shaul Spielmann lebt heute in Israel.

    1. Alexander Lowy, I Am a Survivor, A Memoir by Alexander Lowy. Sidney 2011. S. 118f.
    2. Bacs, Paul; Teilabschrift des Tagebuchs von Paul Bacs: Mauthausen Memorial Archiv, MM_B_11_14
    3. Brugger, Yvonne: Das vergessene Lager. Das ehemalige Waldlager Gunskirchen. Masterarbeit. Wien 2019.
  4. Bernard Freilich
  5. Capt. J. D. Fletcher
  6. Dugo Leitner

    David „Dugo“ Leitner wurde 1930 in Nyíregyháza in Ungarn als Sohn von Meir und Golda Leah geboren und wuchs mit drei Geschwistern in einem orthodox-jüdischen Elternhaus auf. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Ungarn im März 1944 wurde seine Familie ins Ghetto gezwungen und wenig später ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort überlebte der 14-jährige David Leitner nur knapp die Selektion durch Josef Mengele. Seine Mutter wurde ermordet.

    Kurz vor der Befreiung des KZ Auschwitz wurde David Leitner auf einem Todesmarsch in das Konzentrationslager Mauthausen überstellt, wo er am 30. Jänner 1945 ankam. Im April kam er in das Zeltlager und schließlich in das KZ-Außenlager Gunskirchen, wo er unter denextremen Bedingungen litt.leben musste. Während der Todesmärsche – gequält von unvorstellbarem Hunger und unter ständiger Angst – klammerte sich Dugo in Gedanken an sein Lieblingsessen: Bilkalach, goldbraun gebackene Teigbällchen, die seine Mutter immer zubereitet hatte. Aus dem KZ-Außenlager Gunskirchen wurde er schließlich Anfang Mai 1945 befreit.

    1949 wanderte David Leitner nach Israel aus. Dort entdeckte er auf einem Markt in Jerusalem erstmals Falafel, die ihn aufgrund ihrer Form an diese Speise aus seiner Kindheit erinnerten, und machte es sich zum Ritual, jedes Jahr am 18. Jänner, dem Tag des Beginns der Todesmärsche von Auschwitz nach Mauthausen, zwei Portionen Falafel zur Feier seines Überlebens zu essen – eine Tradition, die bis heute von Tausenden Menschen übernommen wird.

    David Leitner ließ sich im Moschav Nir Galim, einer von Holocaustüberlebenden gegründeten ländlichen Siedlung in Israel nieder. Dort war er Mitbegründer des Beit Haedut (Testimony House), einer wichtigen Holocaust-Gedenkstätte. Als Zeitzeuge besuchte er Schulen und andere Bildungseinrichtungen, um dort seine Geschichte zu erzählen.

    David „Dugo“ Leitner starb am 26. Juli 2023 im Alter von 93 Jahren in Israel.

  7. Edith Eva Eger

    Edith Eger wurde am 29. September 1927 in Košice in der damaligen Tschechoslowakei, heute Slowakei, als jüngstes von drei Kindern in eine jüdische Familie geboren. Ihre Eltern, Lajos und Ilona Elefánt, waren Schneider und in einem ungarischen Ministerium angestellt. Edith Eger besuchte ein Gymnasium und nahm ab ihrem fünften Lebensjahr Ballettstunden. Bis sie 1942 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ausgeschlossen wurde, war sie Mitglied des ungarischen olympischen Gymnastikteams.

    Im März 1944 musste Edith Eger gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Schwester Magda in das Ghetto von Košice übersiedeln, wo sie mit 12.000 weiteren Jüdinnen und Juden in einer Fabrik untergebracht wurde. Noch im Mai desselben Jahres wurde die Familie ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wurden ihre Eltern direkt in die Gaskammern geführt und ermordet. Edith selbst wurde mit ihrer Schwester Magda in eine Baracke gebracht, die am selben Abend vom Lagerarzt des KZ Auschwitz, Josef Mengele, aufgesucht wurde, der die Häftlinge dort aufforderte, für ihn zu tanzen. Als erfahrene Balletttänzerin tanzte Edith Eger somit in der Baracke des KZ Auschwitz für Josef Mengele. Dieser gab ihr als Belohnung einen ganzen Laib Brot.

    In ihrem Buch „Ich bin hier, und alles ist jetzt. Warum wir uns jederzeit für die Freiheit entscheiden können“ schreibt sie: „In dieser Nacht teile ich das Brot mit meiner Schwester Magda und den Mädchen, die mit uns im Bett schlafen. Fast ein Jahr später, als meine Schwester und ich bereits gezwungen sind, den Todesmarsch von Mauthausen nach Gunskirchen zu laufen, bin ich so erschöpft, dass ich stolpere und nicht mehr aufstehen kann. Jeder, der hinfällt, wird sofort erschossen. Doch plötzlich sind die Mädchen von jener Nacht wieder da, sie flechten ihre Hände ineinander, um einen menschlichen Stuhl zu bilden, auf dem sie mich tragen. ‚Du hast damals dein Brot mit uns geteilt‘, sagen sie. Auf eine gewisse Weise hatte ich das Mengele zu verdanken. Er tötete an jenem Tag in Auschwitz meine Mutter, aber er entschied auch, mich leben zu lassen.“

    Über verschiedene Konzentrationslager wurde Edith Eger schließlich mit ihrer Schwester ins KZ Mauthausen deportiert, von wo aus sie im Zuge eines Todesmarsches in das Außenlager Gunskirchen verlegt wurden. Dort wurde sie von den amerikanischen Befreiern fast in einem Haufen von Toten übersehen, konnte im letzten Moment aber mit einer Handbewegung auf sich aufmerksam machen und so gemeinsam mit ihrer Schwester gerettet werden.

    Nachdem sie sich in einem amerikanischen Lazarett erholt hatte, kehrte sie nach Košice zurück, wo sie ihre Schwester Klara wiedertraf. Diese war Violinistin und wurde während der Naziherrschaft von einem ihrer Professoren versteckt gehalten. Im Mai 1949 wanderte Edith Eger gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer damals zweijährigen Tochter über Wien in die USA aus. Dort studierte sie bei Viktor Frankl und schloss 1969 ihr Studium als Psychologin ab.

    Im Alter von über 60 Jahren kehrte Edith Eger 1990 erstmals nach Auschwitz zurück. Viele Jahre erzählte sie als Zeitzeugin von ihren Erlebnissen und hielt als Psychologin Vorträge.

    Edith Eger starb am 27. April 2026 in San Diego.

  8. Istvan Erdos
  9. Jicchak Miglitzer
  10. Michael Kraus

    Michael J. Kraus wurde am 28. Juni 1930 in Trutnov in der damaligen Tschechoslowakei (heute Tschechien) geboren. Er war das einzige Kind des Arztes Karel Kraus und dessen Frau, Lotte Kraus.

    Seine Kindheit verbrachte Michael in Náchod, wo sein Vater eine Praxis führte. Er besuchte eine tschechische Volksschule und wuchs in einem tschechischsprachigen Elternhaus auf. Da Náchod nahe der deutschen Grenze lag, zogen Michael und seine Mutter während der Mobilmachung der tschechoslowakischen Armee im Sommer 1938 vorübergehend zu Verwandten nach Hlinsko. Sein Vater blieb in Náchod, um seine Patienten weiter zu versorgen. Wenig später kehrten Mutter und Sohn jedoch wieder nach Hause zurück.

    Mit dem Einmarsch deutscher Truppen am 15. März 1939 begann für die Familie eine Zeit zunehmender Verfolgung. Als Michaels Tante die deutschen Soldaten auf dem Hauptplatz von Náchod einmarschieren sah, nahm sie sich das Leben. In der Folge wurden zahlreiche antisemitische Maßnahmen eingeführt: Michael durfte nicht mehr zur Schule gehen, seinem Vater wurde die Ausübung des Arztberufs verboten, und das Vermögen der Familie wurde beschlagnahmt. 1940 wurden die Krauses gezwungen, ihr Haus mit anderen Familien zu teilen, ehe sie im September 1941 vollständig aus ihrer Villa vertrieben wurden und unter beengten Verhältnissen in einem einzigen Zimmer ohne fließendes Wasser leben mussten.

    Im Dezember 1942 wurde die Familie zusammen mit anderen jüdischen Bewohnern der Region nach Hradec Králové gebracht und anschließend in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort verbrachte Michael ein Jahr, bevor die Familie am 15. Dezember 1943 weiter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde.

    In Auschwitz riss man die Familie schließlich auseinander. Michaels Vater wurde am 11. Juli 1944 von den Nationalsozialisten in Birkenau ermordet. Seine Mutter wurde im selben Monat als Zwangsarbeiterin in das Konzentrationslager Stutthof bei Danzig deportiert, wo sie am 8. Januar 1945 starb. Michael selbst wurde im Januar 1945 im Zuge der Evakuierungen zunächst in das KZ Mauthausen und anschließend in das KZ-Außenlager Melk gebracht. Nach der Räumung des Lagers musste er einen mehrtägigen Todesmarsch bis zum KZ-Außenlager Gunskirchen überstehen. Trotz schwerster Anstrengungen und zunehmender körperlicher Schwäche gab ihm die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit seiner Mutter die Kraft weiterzuleben.

    Am 5. Mai 1945 wurde Michael Kraus von amerikanischen Truppen befreit. An Typhus erkrankt, verbrachte er anschließend einen Monat im US-Militärhospital in Hörsching bei Linz. Über Wiener Neustadt, Bratislava und Prag kehrte er schließlich in seine Heimat zurück. Erst nach seiner Ankunft in Prag erfuhr er vom Tod seiner Mutter.

    Er wanderte schließlich nach Kanada und später in die USA aus, wo er in New York Architektur studierte.

    Michael Kraus starb am 17. Dezember 2018 in den USA.

  11. Tabor Wiener
  12. Therese Müller
  13. Daniel Chanoch

    Daniel „Danny“ Chanoch wurde im Februar 1932 als Kind von Frida und Shraga Chanoch im litauischen Kaunas geboren. Mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten im Juni 1941 endete seine Kindheit: Daniel Chanoch und seine Familie wurden aus ihrem Zuhause vertrieben und ins Ghetto Kaunas deportiert. Im Juli 1944 wurde das Ghetto aufgelöst, und die Häftlinge wurden in Konzentrationslager deportiert. Über das KZ Stutthof, in dem seine Mutter und Schwester zurückblieben, kam Daniel in ein Außenlager des KZ Dachau, wo er von seinem Vater getrennt wurde.

    Mit 130 weiteren Kindern im Alter von 11 bis 15 Jahren wurde Daniel von der SS selektiert und über das KZ Dachau weiter in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überstellt. Diese Kindergruppe unterstützte sich gegenseitig durch enormen Zusammenhalt und Solidarität. Während seiner Inhaftierung im Konzentrationslager- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden zwei Drittel der Kinder aus seiner Gruppe von den Nationalsozialisten ermordet. Daniel überlebte. Gemeinsam mit anderen Kindern der Gruppe und weiteren KZ-Häftlingen musste er nach der Räumung des KZ Auschwitz die Todesmärsche in andere Konzentrationslager überstehen – und überlebte nach den Konzentrationslagern Stutthof und Dachau, dem Konzentrations- und Vernichtugnslager Auschwitz-Birkenau auch das das Konzentrationslager Mauthausen sowie das Zeltlager im KZ Mauthausen. In neuerlichen „Todesmärschen“ wurde er von dort aus in das KZ-Außenlager Gunskirchen getrieben.

    Am 5. Mai 1945 wurde Daniel aus dem KZ-Außenlager Gunskirchen befreit

    Im Jahr 2022 überreichte Daniel Chanoch im Rahmen der Befreiungsfeier in Gunskirchen ein symbolträchtiges Geschenk an das Mauthausen Komitee Österreich: die Baumscheibe eines alten Olivenbaums, der in Israel gewachsen war. Der Stamm eines Olivenbaums ist ein Symbol für Frieden und für ein „Niemals wieder“. Ein natürlich gewachsenes Loch in der Mitte des Stammes symbolisiert das riesige Loch, das nach der Shoah nicht nur in den Überlebenden, sondern auch in ihren Nachkommen zurückgeblieben ist.

    Daniel Chanoch bezeichnete Gunskirchen als „die Hölle auf Erden“ und setzte sich beharrlich dafür ein, dass am Ort dieses KZ-Außenlagers eine würdige Gedenkstätte errichtet wird.

    Daniel Chanoch starb am 30. September 2024 in Tel Aviv.

  14. Joseph Fisher

    Joseph Fisher wurde in der Kleinstadt Vișeu de Sus (Oberwischau) im heutigen Rumänien geboren. Er wuchs in einer religiösen Familie mit mehreren Geschwistern auf. Sein Vater war Schuster und später auch Gastwirt. Die Familie gehörte zur Mittelklasse und legte großen Wert auf Bildung und den jüdischen Glauben. Aber bereits als Kind lernte Joseph durch die Mitarbeit bei seinen Großeltern in der Landwirtschaft auch körperliche Arbeit kennen.

    Anfang der 1940er-Jahre verschlechterte sich die Lage der jüdischen Bevölkerung zunehmend. Trotzdem konnte Joseph ab 1943 eine jüdische Schule in Budapest besuchen. Doch nach der militärischen Machtübernahme Ungarns durch das NS-Regime im März 1944 verschlechterte sich die Situation für Jüdinnen und Juden ein weiteres Mal. Joseph kehrte in seine Heimat zurück, wo seine Familie wenig später in ein Ghetto in Oberwischau umgesiedelt und schließlich deportiert wurde. Gemeinsam mit seinen Eltern und seinen Geschwistern wurde er in einem Viehwaggon ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Fast seine gesamte Familie wurde in diesem Vernichtungslager ermordet.

    Joseph wurde wenig später in das Konzentrationslager Mauthausen gebracht. Im Außenlager Gusen musste er unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit verrichten – vor allem beim Tunnelbau. Trotz der täglichen Gewalt und extremer physischer und psychischer Belastung gelang es ihm zu überleben. Besonders prägend waren für ihn die Erlebnisse im Krankenrevier von Gusen, wo er Zeuge systematischer Tötungen schwer kranker Häftlinge wurde.

    In den letzten Wochen vor der Befreiung wurde Joseph auf Todesmärschen zunächst zurück nach Mauthausen und dann ins Außenlager Gunskirchen getrieben. Von jeglicher Kraft verlassen und kurz vor dem Verhungern wurde er am 5. Mai 1945 von den amerikanischen Truppen befreit.

    Nach einem längeren Aufenthalt in einem Krankenhaus in Linz kehrte er zurück in seine Heimatstadt. Dort traf er auf seine Schwester, die als Einzige aus seiner engeren Familie das KZ überlebt hatte. Wenig später wanderte Joseph nach Israel aus, wo er bis zu seinem Tod am 5. Jänner 1998 lebte.

  15. Hugo Gryn

    Hugo Gryn wurde am 25. Juni 1930 in der damaligen Tschechoslowakei als Sohn von Bella und Geza Gryn, ein Holzhandelskaufmann, geboren.

    1938 wurde seine Heimatstadt Berehovo von ungarischen Truppen besetzt, die im darauffolgenden Jahr von deutschen ersetzt wurden. Anfang des Jahres 1944 erhielt Hugos Vater Geza Ausreisevisa für die ganze Familie. Weil sie aber keine sichere Ausreisemöglichkeit sahen, entschieden sie zu bleiben. Kurz später wurden alle jüdischen Bewohner*innen in das Ghetto der Stadt gezwungen, von wo aus sie sechs Wochen später, am 28. Mai 1944, in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden – so auch Hugo, sein Bruder und seine Eltern. Hugos zehn Jahre alter Bruder wurde nach wenigen Tagen ermordet. Er selbst und sein Vater wurden in Auschwitz von seiner Mutter getrennt, die das KZ wie durch ein Wunder überlebte. Von Auschwitz wurde Hugo gemeinsam mit seinem Vater über das KZ Lieberose – ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, wo sie aufgrund ihrer Erfahrung als Tischler Zwangsarbeit leisten mussten –, das KZ Sachsenhausen und das KZ Mauthausen in das KZ-Außenlager Gunskirchen deportiert#, wo sie schließlich von den Amerikanern befreit wurden. Hugos Vater verstarb drei Tage später im Lazarett.

    Nachdem er befreit worden war, emigrierte Hugo Gryn nach Großbritannien und von dort später in die USA, wo er die Ausbildung zum Rabbi absolvierte und anschließend nach Großbritannien zurückkehrte.

    Hugo Gryn verstarb am 18. August 1996 in London.

  16. Yitzhak (Irving) Balsam

    Yitzhak (Irving) Balsam wurde am 17. Oktober 1924 in Praszka (heutiges Polen) geboren. Sein Vater arbeitete als Schneider mit nur unregelmäßigen Einkünften, sodass die Familie Mühe hatte, über die Runden zu kommen. Yitzhak besuchte vormittags die öffentliche polnische und nachmittags die hebräische Schule.

    Am 1. September 1939 musste Yitzhak miterleben, wie deutsche Soldaten in seine Heimatstadt einmarschierten. In den folgenden sieben Tagen zogen deutsche Konvois durch Praszka. Jeden Tag wurden Yitzhak und andere jüdische Männer gezwungen, außerhalb der Stadt Straßen zu bauen.

    Nur wenige Monate später wurde er in das Konzentrations- und Vernichtugnslager Auschwitz deportiert. Während der Todesmärsche wagte er in der Nähe von Gliwice einen Fluchtversuch, wurde aber wenig später entdeckt und mit 60 anderen Personen inhaftiert. Die meisten davon wurden hingerichtet. Die Übrigen wurden gezwungen, die Leichen zu einem Friedhof zu transportieren, wo zwei Massengräber ausgehoben worden waren. Sie begruben die Toten in einem und wurden anschließend selbst in das andere getrieben und mit Maschinengewehrfeuer beschossen. Als die Schüsse aufhörten, waren fünf von ihnen noch am Leben. Man befahl ihnen, das zweite Grab zuzuschütten, dann wurden die Waffen erneut auf sie gerichtet. Wie durch ein Wunder waren aber die Patronen aufgebraucht.

    Yitzhak wurde zur Zwangsarbeit ins Konzentrationslager Mauthausen und anschließend ins KZ-Außenlager Gunskirchen deportiert, um dort zu sterben. 1945 wurde er von amerikanischen Soldaten befreit. Während er sich in einem Spital erholte, lernte er seine Frau Helen kennen, die ebenfalls in Gunskirchen befreit worden war. Gemeinsam wanderten sie 1948 in die USA aus.

    Yitzhak Balsam starb 1992 in den USA.

  17. Jehuda Gurvich

    Jehuda Gurvich wurde 1930 in Litauen geboren. Er wuchs in einer religiösen jüdischen Familie in der Nähe von Kaunas auf. Als deutsche Truppen 1941 diesen sowjetisch besetzten Teil Litauens okkupierten, wurde er mit seiner Familie ins Ghetto Slobodka gebracht, benannt nach dem gleichnamigen Stadtteil in Kaunas. Dort verbrachte er mehr als drei Jahre mit seiner Familie.

    Nach der Internierung im Ghetto Kaunas wurde er 1944 von seinen Eltern getrennt und Teil einer Gruppe von rund 130 Kindern. Innerhalb der Gruppe entwickelte sich ein starker Zusammenhalt und ein hohes Maß an Solidarität zwischen den Kindern

    Über ein Außenlager des KZ Dachau wurden sie in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Er überlebte Auschwitz, wurde gegen Kriegsende in das KZ Mauthausen und anschließend in das KZ-Außenlager Gunskirchen verschleppt, wo er im Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wurde.

    Im Mai 1945 wurde er aus dem KZ-Außenlager Gunskirchen befreit.

    Nach dem Krieg emigrierte er nach Palästina beziehungsweise Israel und baute sich dort ein neues Leben auf.

    Als Zeitzeuge berichtete er jahrzehntelang über seine Erfahrungen während der Shoah.

    Zeitlebens setzte er sich für ein „Niemals wieder“ ein und nahm an zahlreichen Gedenk- und Befreiungsfeiern, auch in Gunskirchen, Mauthausen und Wien, teil.

    Jehuda Gurvich starb am 24. Mai 2025.

  18. Wolfgang Sinai Adler

    Wolfgang Adler, später Rabbiner Sinai Adler, wurde am 11. Juli 1928 in Prag in eine traditionsreiche Rabbinerfamilie geboren. Sein Vater, Dr. Šimon Adler, stammte aus Dobrá Voda im Böhmerwald und war Rabbiner, Historiker sowie Leiter des Archivs der Prager Jüdischen Gemeinde. Die Familie gehörte zum gebildeten jüdischen Bürgertum und lebte zwischen Prag und Zbraslav bei Prag. Wolfgang besuchte sowohl jüdische als auch tschechische Schulen und wuchs in einem religiös und kulturell vielfältigen Umfeld auf.

    Mit der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten im März 1939 änderte sich sein Leben grundlegend. Jüdische Menschen müssen den gelben Stern tragen, und überall werden Verbote für Jüdinnen und Juden um gesetzt - wie das Verbot des Schulbesuchs für jüdische Kinder. Am 6. März 1943 wurde der damals 14-jährige Wolfgang schließlich gemeinsam mit seinen Eltern in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nach etwa 15 Monaten wird die Familie mit 2.000 anderen Menschen in Viehwaggons verladen und in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden seine, Eltern kurz nach ihrer Ankunft ermordet. Wolfgang selbst überlebte, weil er zur Zwangsarbeit eingeteilt wurde.

    Anfang mit dem Vorrücken der Roten Armee wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz evakuiert, und Wolfgang wurde auf Todesmärsche und später in Viehwaggons ins Konzentrationslager Mauthausen getrieben. Sein Überleben verdankte er unter anderem dem tschechischen Häftling Alois Holub, der ihn regelmäßig mit Nahrung versorgte.

    Anfang April 1945 wurde er mit anderen jüdischen Häftlingen ins Zeltlager des KZ Mauthausen verlegt und wenig später auf Todesmärschen in das KZ-Außenlager Gunskirchen getrieben. Die katastrophalen Bedingungen dort bezeichnete er später als die schlimmste Zeit seines Lebens.

    Nach der Befreiung kam Wolfgang stark geschwächt nach Prag zurück und wurde von der Hilfsaktion des Pädagogen Přemysl Pitter auf Schloss Štiřín betreut. Dort schrieb er im Sommer 1945 seine Erinnerungen an die Konzentrationslager in tschechischer Sprache nieder. 1946 emigrierte er über England nach Palästina, wo bereits sein älterer Bruder lebte.

    In seiner neuen Heimat widmete sich Wolfgang Adler an einer Jeschiwa dem Studium der Tora und trat somit in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Er wirkte zunächst als Lehrer, später über viele Jahre hinweg als Rabbiner und schließlich als Oberrabbiner von Aschdod. 1994 wurde Alois Holub, auf Initiative von Sinai Adler, von der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbrachte Wolfgang Adler in Mevaseret Zion bei Jerusalem

    Rabbiner Sinai Adler (geb. Wolfgang Adler) starb im Jahr 2020 im Alter von 92 Jahren in Israel.

  19. Jehuda Bacon

    Jehuda Bacon kam am 28. Juli 1929 in Ostrava in der damaligen Tschechoslowakei als jüngstes Kind einer jüdischen Familie zur Welt. Im 1939 von Deutschland besetzten Böhmen und Mähren wurden die Rechte der jüdischen Bevölkerung systematisch eingeschränkt, sodass es Jehuda nicht mehr möglich war, zur Schule oder zu Versammlungen zu gehen.

    Im Jahr 1942 gelang der jüngeren von Jehudas Schwestern die Flucht nach Palästina; die restlichen Familienmitglieder wurden im September in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Im Dezember 1943 wurde Jehuda mit seiner Familie in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort war er Teil des von Fredy Hirsch geführten „Kinderblocks“, der nicht an den Appellen teilnehmen musste. Im Jahr 1944 wurden Jehudas Mutter und seine Schwester Hanna in das Konzentrationslager Stutthof deportiert, wo sie nur wenige Tage vor der Befreiung an Fleckfieber starben. Jehudas Vater Israel wurde im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

    Im KZ Auschwitz wurde Jehuda gemeinsam mit 89 anderen jungen Buben zu harten Arbeiten wie das Ziehen eines Wagens durch das Konzentrations- und Vernichtunglager Birkenau und den Transport von Brennholz zum Krematorium gezwungen. Am 18. Jänner 1945 wurde er gemeinsam mit Tausenden weiteren KZ-Häftlingen und einigen der 89 jungen Buben, mit denen er im KZ Auschwitz zur Arbeit gezwungen worden war, auf einen Todesmarsch in das KZ-Außenlager Blechhammer geschickt und von dort weiter in Zügen ins KZ Mauthausen deportiert. Der Zusammenhalt der Buben sicherte ihr jeweiliges Überleben. Jehuda wurde im März 1945 in das Zeltlager des KZ Mauthausen und anschließend in einem dreitägigen Todesmarsch ins KZ-Außenlager Gunskirchen deportiert.

    Nach der Befreiung am 4. Mai 1945 wurde Jehuda im Krankenhaus in Steyr gepflegt und machte sich dann mit seinem Freund Wolfgang Adler nach Hause in die Tschechoslowakei auf. Überlebende Angehörige fanden sie dort keine. Nachdem er ein Jahr lang in einem Kinderheim bei Prag gelebt hatte, beschloss er, Künstler zu werden und wanderte 1946 nach Palästina aus, wo er in Jerusalem studierte und bis heute lebt.